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#55 Pause

Ich mag nicht mehr.
Es ist einfach zu viel gerade. Die Uni stresst. Das Bafögamt nervt, dazu eine kleine, allerdings zeitkritische OP, die dringend noch vor Weihnachten durchgeführt werden muss. Noch ein Anatomietestat, schnell tausend Fakten ins Kurzzeitgedächtnis prügeln, im Zug.
Irgendwie bestehen, wenn auch beim aktuellen Wissensstand eher mit Gnade vor Recht, aber hey, bestanden.

Gut, nachholen muss ich es, schließlich gibts auch noch ne Abschlussklausur. Aber es gibt ja Weihnachtsferien. Die sind toll. Stundenlang Zeit zu lernen! Hach. Lernen vorm Kamin. Lernen unterm Baum. Wie auch immer.
Aber erst einmal brauch ich eine kleine Pause, damit auch der Spaß daran wiederkommt.
Wie großartig fand ich früher die Vorstellung, über die Uni live kommentiert Operationen schuen zu können, Anatomie live und in Farbe! Wenn ich jetzt daran denke, sind es nur zwei Stunden vertane Zeit in der ich lernen müsste, oder aber mich endlich wieder mal früher schlafen gehen.
Wie gerne habe ich früher um Themen drum herum gelesen, das angeschaut, was mich interessiert hat: jetzt versuche ich alles ao sehr zu begrenzen wie möglich, denn Spaß macht das nicht.
Ach, das nervt. Und es ist so schade. Aber ich weiß auch, dass das alles wieder kommt, wenn ich jetzt ein paar Tage frei habe. Aber ich freu mich so sehr drauf. So sehr!

Nur noch einmal Histologie. Dann ist es geschafft. Puh!

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#54 Westentaschenpsychologie

Wir haben ein Seminar zum Thema Medizinische Psychologie, was im Grundsatz Themen und Grundlagen Psychischer Erkrankungen besprechen soll. Da wir ja moderne Unterrichtsmethoden pflegen, hält jeder ein Referat zu einem Thema. Gestern hörten wir etwas zu ADHS und Adipositas, und es hat mich wieder einmal erschreckt, mit wie wenig fachlicher Beschäftigung mit einem Thema man so etwas halten kann.

Das sind nun beides auch Reizthemen, das weiß ich. Bei Adipositas hab ich irgendwann schon gar nicht mehr hingehört, vermutlich bin ich als Leserin des Buches Fettlogik überwinden, das sich mit Ursachen und Mythen von Übergewicht und Abnahme beschäftigt ein bisschen vorbelastet. Aber selbst wenn man sich nicht damit beschäftigt hat, sollte es einem normal denkenden Menschen möglich sein zu verstehen, dass nicht jeder Übergewichtige eine Essstörung im Sinne des Binge-Eating hat. Genau wie nicht jeder dünne Mensch und jedes Modell magersüchtig oder bulimisch ist. Aber gut, das ist das eine.

Zum anderen taten sich beim Thema ADHS auch Welten auf, aber da muss ich vorsichtig sein, ich kenne mich in diesem Bereich nicht ausreichend aus. Quintessenz dieses Vortrages war jedenfalls, dass Ritalin eine ganz schlimme Sache ist, schließlich ist es ein Betäubungsmittel. Und so etwas geben wir unseren Kindern? Unerhört! Dabei ging das doch früher auch, und überhaupt Eltern und Lehrer sollen sich mal nicht so anstellen, wir müssen aufhören Kinder in Stundenpläne zu stecken und die große Stadt ist böse, wenn Kinder einfach mal wieder frei draußen rumlaufen könnten, dann gäbe es das ganze Krankheitsbild nicht. Ich frage mich allen Ernstes, wie man das ernst meinen kann!

Natürlich kann ich mir vorstellen, dass es Eltern oder Lehrer gibt, die etwas vorschnell überlegen, dass ein Kind ADHS hat, hochbegabt ist, was auch immer – aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es nur eine eingebildete Krankheit ist. Ich könnte mir vorstellen, dass ähnlich wie bei Depressionen noch einmal ein großer Unterschied zwischen dem wirklichen Krankheitsbild Depression liegt, und dem, was ich ein ungehobelter Mensch unter ‚Jaja, mir gehts auch manchmal scheiße!‘ vorstellt. Dass ADHS und eine Zappelphilipp der vielleicht mal etwas ungezogen ist, im selben Verhältnis stehen.

Und dann ergab sich noch eine Diskussion darüber, das Waldorf-Schulen ganz toll sind, weil sie diese Kinder auffangen. Dass ich von Waldorf-Pädagogik aufgrund seiner okkulten und esoterischen Grundzüge in Kombination mit einer lustigen Rassen-Ideologie nichts halte, ist das eine, und dass es hoch motivierte Pädagogiker sind, die vielleicht viel mehr als das theoretische Grundgerüst ausmachen: geschenkt. Was ich wirklich faszinierend fand, war das vehemente Eintreten dafür, wie toll musikalische Klassen sind, jeder darf ein Instrument spielen, es wird gemalt und gesungen und es gibt Lesungen und solche Dinge. Das kann ganz toll sein, aber nun ist es ja so, das Kinder und deren Interessen durchaus unterschiedlich sind. Ich hätte an einer solchen Schule gar keine Freude gehabt. Mathe finde ich toll. Und Chemie, und Molekularbiologie, und Labore und wenns knallt und kracht. Aber das es auch solche Kinder geben kann, die in einer Blöckflötenklasse völlig untergehen – das konnte keiner nachvollziehen.

Manchmal erschrecken mich meine Kommilitonen.

#53 Anatomie

Die Anatomie hat mich voll im Griff! Eigentlich wollte ich ja über einige Dinge schreiben, und dann ging das Semester ziemlich rasant los. Und es verspricht auch so zu bleiben. Anatomie ist wirklich ein Hammer, zusammenfassend lässt sich sagen: Der Mensch besteht aus zu vielen Einzelteilen! Und ich habe lange gebraucht um richtig ins Lernen reinzukommen. Das wirkliche Verständnis hat sich noch nicht breit gemacht, aber langsam, ganz ganz langsam, fangen manche Kreise an sich zu schließen. Und das macht es dann auch einfacher zu lernen wenn es plötzlich einen Sinn ergibt.
Blöd war natürlich auch, dass ich die ersten zwei Wochen mit einer ordentlichen Erkältung und Fieber im Bett lag, mich trotzdem zum Präparierkurs geschleppt habe und dann im Delirium erst einmal alle meine schönen Anatomiesachen liegen hab lassen – die jetzt letzte Woche wieder aufgetaucht sind. Pünktlich, nachdem ich mir neue Fineliner, Etui und Lineal und weiteren Kram gekauft hat. Jetzt hab ichs doppelt. Naja.

Immerhin hab ich morgen Anatomietestat. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich das bestehe, ich glaube, dass ich einfach zu wenig weiß. Dieses Gefühl viel zu wenig zu wissen und nie die Zeit zu haben sich mit Dingen intensiver auseinander setzen zu können hatte ich auch schon im ersten Semester. Mal sehen, wie es wird. Und übermorgen schreib ich dann auch noch Biochemie – aber das steht im Moment einfach hinten an. Kann ich ja auch nochmal schreiben. Das fällt mir auch um einiges leichter als Anatomie – insbesondere als der Bewegungsapparat. Den habe ich schon in der Assistentenausbildung zu hassen gelernt!

So, jetzt habe ich aber genug prokrastiniert. Ab ins Bett!

#52 Ein ganz normaler Tag im Rettungsdienst

Geschichten sind im Rettungsdienst eine ganz, ganz große Währung. Bei jeder Übergabe, bei jeder Gelegenheiten werden die lustigsten Geschichten der letzten Schicht erzählt und daran anknüpfend auch die thematisch passenden der anderen Rettungsdienstler, und wie der gefangene Fisch in der Angleranekdote, werden auch die Geschichten immer lustiger, absurder, die beteiligten immer heldenhafter, tolpatschiger, absurder. Natürlich, es sind nur die spannenden Geschichten, die lustigen, die absurden und die traurigen manchmal, die man erzählt. Die anderen vergessen wir, keinen Grund gibt es, sie weiterzuerzählen.

Auch in vielen Blogs und zu Büchern gewordenen Geschichtensammlungen werden nur diese Geschichten erzählt. Hören die Menschen Rettungsdienst, denken Sie an schlimme Autounfälle, blutüberströmte Menschen, Herzinfarkte, Stress pur! Im Ernst: So ist es nicht. Wir sind hier nicht im Kino. Ich würde euch gerne von einem ganz durchschnittlichen Tag im Rettungsdienst erzählen und daraus eine kleine Fortsetzungsgeschichte basteln.

Herzlich Willkommen im ganz normalen Wahnsinn einer Rettungswache.

#51

Heute, der Tag kann irgendwie weg. Ruhigen Dienst auf der Aussenwache gehabt, ich wollte lernen, bin aber da nicht zu gekommen, irgendwie den ganzen Tag übermüdet und halb missmutig herumgelaufen. Nichts hat geklappt, eine Checkliste vergessen, nervigen Kollegen gehabt, Essen angebrannt, Hausschuhe für die Wache beim Aldi gekauft, sind natürlich zu klein, beim Aufstehen schon Kaffee über die Hose gegossen.
Was soll denn das alles! Ich mag das nicht. Und mit der blöden Anatomie komme ich auch nicht voran. Diese blöden blöden Schädelknochen!

Vielleicht sollte ich stattdessen einfach Muskeln lernen. Das wäre ja was, dabei könnte ich auch Bänder und Gelenke wiederholen. Aber naja.

Jetzt bin ich eh ein wenig missmutig gelaunt, am liebsten würde ich alles in die Ecke werfen. Ich hoffe, der warme Tee, die Kerzen und ein bisschen chillige Musik helfen meine blöde Laune etwas zu bessern. Wenn nicht, geh ich einfach schlafen.

Ja, ich geh einfach mal schlafen. Besser ist das.

#50 Freitagsfüller mit Verspätung

Auf der Rettungswache geschrieben, daher etwas dienstlastig.

 

1.  Es mag ja sein, dass  alle Hilos Hilfe brauchen, aber nicht vom RTW.

2.   Der Schweiß läuft ganz gut .

3.   Das Stichwort ist C2H5OH .

4.   Mord wäre gern mein Hobby, allerdings reicht erstmal Mountainbiken als mein Hobby .

5.   Die letzte Person, die ich umarmt habe war eine Omi, der ich beim umsetzen geholfen habe, auch wenn ich nicht weiß ob das als Umarmung zählt.

6.   In diesen Einsatzstiefeln hat man im Sommer garantiert keine kalten Füße.

7.  Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Bier, morgen habe ich die Knochen von der Hüfte abwärts geplant und Sonntag möchte ich schlafen !

#49 Anatomiestart

Ach, ach.
Noch 4 Wochen bis zum Semesterbeginn, und die Ferien neigen sich langsam dem Ende zu. Ferien ist ja auch ein wenig übertrieben, schließlich bin ich durchgehend arbeiten, eigentlich schon fast zuviel, dafür, dass ich jetzt anfangen muss zu lernen.
Anatomie. Das ist ganz schön viel, und ich weiß nicht so recht wo ich anfangen muss.
Es gibt aber ein Skript, das ist gut. Da stehen zwar tausend Fehler drin, abre es gibt einen guten Überblick darüber, was ich können muss.
Einen Prometheus Atlas habe ich jetzt auch, das dazugehörige Lernplakat hängt schon im Schlafzimmer. Ich frage mich immer noch, ob ein Skelett im Schlafzimmer vielleicht ein wenig zu gruselig ist, aber das ist dann höchstens eine Motivation mehr, das komplett gelernt zu haben. AUf der Rückseite sind nämlich die Muskeln und die muss ich auch noch lernen.

Immerhin hab ich schon 7 von 49 Lerneinheiten gelernt, das weiß ich so genau, weil ein Großteil meiner Prokrastination immer fürs Lernplan schreiben draufgeht. Da kann ich mich stundenlang mit beschäftigen.

Außerdem wollte ich eigentlich noch mal über einen ganz normalen Tag im Rettungsdienst bloggen. Vielleicht nachher. Jetzt muss ich noch schnell die ganzen Nubsies an Elle und Speiche lernen.